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Hymnen Hirn Gitarren

Als Journalist fällt es einem normalerweise leichter, Negatives rauszufiltern. Heute übe ich das Gegenteil: Ich hab nämlich zwei Musik-Sendungen für mich entdeckt, die ich schlicht klasse finde und einfach so empfehlen will. Geradezu hymnisch. Also im Rahmen meiner Möglichkeiten.

 


Tonspur
Die eine, weil sie spannend gemacht ist. Drei “Profiler” bekommen eine
Liste mit den Lieblings-Titeln eines “Promis”, und den gilt es dann anhand der Liste zu erraten. Dramaturgisch ist das wohl durchdacht, denn wenn einer einen Musik-Titel auswählen muss als Soundtrack seines Lebens, dann ist so ein Musik-Titel in der Regel mit Geschichten verknüpft. So erfährt man wirklich was über diesen bekannten Menschen. Ich hätte z.B. nicht gedacht, dass Wolfgang Niedecken den River Kwai- Marsch, ein Kirchenlied und Sympathy for the devil listet. Und es ist interessant, zu sehen, warum er es tut.

Die “Profiler”, die kommen dann von der anderen Seite: die wissen was zu dem Titel, zu seiner Geschichte, seiner Bedeutung. Da findet man sich oftmals wieder. Und sie versuchen dann, Rückschlüsse auf den Menschen zu ziehen, mit erstaunlichen Schlussfolgerungen.
Das Ganze also dicht, m.E. in der Form neu, spannend.  Hier kann man Tonspur, der Soundtrack meines Lebens gucken. (3Sat)

Aufgspuit
Die zweite Sendung – ein Klassiker des BR. Aufgspuit – Werner Schmidtbauer mit… Na klar, ich hör die Nörgler schon, vor allem Gitarren . Bäääh. Höchstens bißchen Weltmusik, sonst nur Liedermacher. Bäääh… Aber vor allem die Art und Weise, wie die Sendung funktioniert, die ist klasse. Der Interviewer macht nämlich einfach mit dem Gast zusammen Musik, sie spielen zusammen seine Titel und auch Stücke von ganz anderen, die dem Gast eben wichtig sind. Und dieses gemeinsame Musizieren öffnet. Die Gäste erzählen anders, enger. Und freier. Das ist kein Interview, das ist eine Interview-Jam-Session,  natürlich ein wenig organisiert, abgesprochen. Meist stört das aber nicht. Das Ganze hat Rhythmus.
Beispiele: Aufgspuit- Werner Schmidtbauer mit Wolfgang Ambros. Ab Timecode Eine Stunde Null Null bspw. die letzten Klänge von  Ambros Interpretation von my way, dann ein seltsam leichter und doch schwerer Wortwechsel, dann “Baba und foi net…”. Für meine Hamburger Freunde: “Auf Wiedersehen und stürz nicht…”. Unbedingt mal gucken.
Bei Youtube findet sich zum Beispiel auch Aufgspuit…mit Konstantin Wecker. Da lernt man was über seine Body Building- Erlebnisse (Timecode 27:50) und ein tolles Beispiel ist dann auch 46:30. Ich singe, weil ich ein Lied hab. Von Schmidtbauer nur kurz angespielt, aber wer so mit einem Gast umgeht, kriegt im unterhaltenden, journalistischen Interview andere Antworten als viele normale Mikrofonhalter. Das  Drogen-Gespräch danach macht’s deutlich. Nähe kann eben auch vor vielen Menschen entstehen.

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