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Das Steinzeitrezept:  Doku-Filmtipp

 Tilman Achtnich ist einer der führenden Feature-Autoren der ARD, macht seit vielen Jahren als Autor und als Redakteur (oft preigekrönte) lange Dokumentationen für den SWR und die ARD. Wenn er nicht irgendwo auf der Welt am Drehen ist, dann sitzt er in seinem Büro, 5 Meter von meinem weg. Spätestens um halb eins treffen wir uns dann, schließlich braucht der Mensch Rituale, also gehen wir in die Kantine. Heute 5 Fragen an Tilman Achtnich, fünf Fragen beim und übers Essen.

1. Tilman, in der Kantine bist Du dafür bekannt, ganz wilde Kombinationen aus allen Hauptgerichten zusammenzustellen, mal nur Beilagen, mal nur Fleisch und irgendein grünes Blättchen. Nach mehreren Gesprächen über deine Recherchen zum “Steinzeitrezept – wie wir unsere Zivilisationskrankheiten besiegen” lass ich als Konsequenz jetzt mittags zumindest die Nudeln weg. Kannst Du mir nun sozusagen öffentlich-rechtlich zuverlässig garantieren, dass ich schlank und rank werde und vor allem total gesund bleibe?

 Wenn du neben den Nudeln noch das Brot weglässt, Milch, Joghurt und Käse  weglässt, Mars und Müsliriegel und anderes Industriefood meidest, bist du auf einem guten Weg. Die 20, 30 Kilometer  Laufen am Tag solltest du halt noch irgendwann unterbringen.  Im Ernst, unsere Vorfahren haben wahrscheinlich ziemlich gefressen, aber ihre Bewegung und ihre Nahrung standen quasi im Gleichgewicht. Die mussten halt alles jagen und sammeln. Die waren hinter der Nahrung her, heute verfolgt uns das Essen auf Schritt und Tritt.  Eigentlich  sollte unser Kühlschrank  in 20 Kilometern Entfernung stehen, dann wäre nicht einmal Feierabendbier plus Erdnüsse ein Problem. 

 2. Warum propagieren Leute ein Leben, eine Ernährung “wie zu Steinzeits-Zeiten”?

 Die Evolution hat uns Menschen Millionen Jahre optimiert, angepasst an natürliche Lebensbedingungen, wie sie bis zum Ende der Steinzeit waren. Unser Verdauungssystem , unser Immunsystem, unsere Sinne, alles bestens für ein Leben in der Natur. Stundenlanges Sitzen auf Bürosesseln, Laufen in zu engen Schuhen auf hartem Asphalt, prallvolle Supermarktregale und Essen, das wir kaum noch kauen müssen….das war alles nicht vorgesehen. Unsere moderne Zivilisation ist grade ein paar Hundert Jahre alt, wenns hoch kommt, viel zu kurz, als dass die Evolution uns schon hätte anpassen können.
Also – können wir uns nur Gedanken machen, für was für ein Leben wir eigentlich gemacht sind. Das im Kopf zu haben ist nicht schlecht.
Genauso machen es die Evolutionsmediziner – die denken drüber nach, dass alle unsere Zivilisationsgebrechen ihre Wurzeln darin haben, dass wir eigentlich für ein ganz anderes Leben gemacht sind.     

 
3. Einer der Kronzeugen dieser Lebensform, wenn ich das richtig verstanden habe, ist ein amerikanischer Professor, der seinen Pick-Up mit der Hand zieht und manchmal durch die Wüste wandert. Klingt so, als wäre das ein Typ (und ein Film), an dem man sich reiben kann und muß. Wie ist Deine Haltung als Autor dazu?

 Art den Vany hat sich sein Leben lang mit evolutionary fitness beschäftigt, weiss wirklich gut Bescheid, kennt die einschlägige Literatur. Aber den Amerikanern gelingts auch immer wieder, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Schon schräg, wenn Art durch die Wüste rennt, und Kampf – oder Fluchtverhalten unsere Vorfahren simuliert. Ich musste lachen, er hats ernst genommen und auf seine hervorragenden medizinischen Werte verwiesen. Wie ein Dreissigjähriger, obwohl er 73 ist. So sind sie halt, die Amis.  

4. Wie lange hast Du recherchiert, gedreht, geschnitten?

Die Idee lange mit mir rungetragen, ein paar Monate recherchiert, 3 Wochen gedreht in Deutschland, den USA, in Schweden bei einem Ernährungsforscher. Drei Wochen geschnitten.
Und  seither in Diskussionen mit den Kollegen verstrickt, die sich durch ein paar verblüffende Aussagen provoziert fühlen. Wie z.B. „ der Glaube vieler Vegetarier, dass fleischlos, die eigentlich Ernährungsweise sei, ist der größte Irrglaube“, sowas weckt starken Protest.

 5. Morgen gibts bei uns in der Kantine entweder “chilli senza carne”, also ohne Fleisch, dafür mit roten Paprika, Tomaten und roten Bohnen oder als Alternative Hirschgulasch mit Spätzle und Kaisergemüse. Bitte sag nicht, dass ich die Bohnen essen muss!

 Iss das Hirschgulasch mit Kaisergemüse,  mach dir noch einen Salatteller, auch mit Kartoffelsalat dazu.
Und schau den Film an, dann musst du in Zukunft solche Fragen nicht mehr stellen.
Und hier die Daten:  Das Steinzeitrezept -wie wir unsere Zivilisationskrankheiten besiegen 
Mi 11.5.2011 um 23 Uhr 30 im ERSTEN

2 Responses to “Fünf Fragen an…Tilman Achtnich”

  1. Christoph sagt:

    Mittlerweile ist die sehenswerte Doku auch in der Mediathek. Hier online gucken:
    http://bit.ly/jQLKks

  2. Auf der Alb, da wo ich groß geworden bin beliebte man zu sagen: “Jetzt han I d’Goiß fascht soweit g’het, dass sie nix meeh zom fressa braucht – ond noch isch’se verreckt.” Das ist was mir einfällt zu der beschriebenen Reduktionskost.
    Die Doku habe ich leider verpasst das hätte mich interessiert. Deshalb werde ich mal die Mediathek besuchen. Vielen Dank!

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