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die Welt auf Pump

 

Fünf Fragen an Tilman Achtnich

Heute läuft  im SWR nochmals die ARD-Doku “Die Welt auf Pump”. Fünf Fragen an einer der Autoren, meinen geschätzten Büronachbarn Tilman Achtnich

Was ärgert dich daran, wenn Banken genau das machen, was viele normale Menschen auch machen, nämlich ihrenSpielraum bestmöglich auszunutzen, um Geld zu verdienen? 

Ich weiss nicht, ob es eine ” normale ” Verhaltensweise ist, Geld von der EZB zu einem Prozent oder weniger zu bekommen, und dieses Geld dann zu 12 Prozent weiter zu verleihen, zum Beispiel als Überziehungskredit beim Girokonto. Das  ist der Überziehungszins, den wir braven Bürger bezahlen. 
Aber Polemik beiseite: du hast schon recht, Banker werden dafür bezahlt, Geld zu machen. Das ist ihr Job. Don´t blame the bankers making money, that´s  their job. Blame the politicians,  who cannot stop them,” sagt Kenneth Rogoff , der ehemalige IWF Chefökonom im Film.
 
Ihr wart ja in Oberhausen, der am höchsten verschuldeten Stadt in Deutschland und -auf der Suche nach den Ursachen der weltweiten Schuldenkrise- u.a. auch bei einer Familie in den USA, die an den Schulden zu ihrem Haus beinahe erstickt. Was eint die beiden, waren beide zu anspruchsvoll, zu spendabel?

Was eint die ” kleinen ” Leute auf dem Globus ? Dass sie erstaunt bis erschüttert  wahrnehmen, wie sie zum Spielball  eines Finanztsunami geworden sind, der keine Grenzen kennt  und über sie hinwegbraust.  Beide Länder USA und Deutschland sind so tief verschuldet, dass sie Glück haben auf andere, Griechen, Italiener, Iren zeigen zu können. Ablenkung. Die amerikanische Familie im Film hat von ihrer Bank einen Kredit für den Hausverkauf aufgeschwatzt bekommen, der sie 60 Prozent ihres Nettoeinkommens pro Monat kostete. Undenkbar, eigentlich, aber die Bank sagte ihnen, : das geht schon bei boomenden Märkten. Und die deutsche Familie ? Im Umgang mit Schulden zurückhaltender, vorsichtiger. Nur das aufnehmen, was man auch wirklich absehbar zurückzahlen kann, war die Devise. Wenn das mal die Regierungen beherzigen würden !   

Wie seid ihr der Gefahr entgegengetreten, dass es hinterher heißt, das war ein “linker” Film (weil ja u.a. die Rolle großer Banken / Hedgefonds kritisch hinterfragt wird)?

Garnicht. Hier gibts nicht links oder rechts, sondern nur Realismus oder Täuschung. 

Du hast einen Helden meines VWL-Studiums getroffen, Paul Krugman. Wie ist der so? 

Super smart, sehr klar  und pointiert in der Aussage, Erfrischend deutlich, was die Einschätzung der Staatsverschuldung auf der ganzen Welt bedeutet. Nichts Gutes. 
By the way: es war nicht Paul Krugmann, sondern Kenneth Rogoff, Harvard Professor und auch einer der Ökonomen- Cracks, den wir getroffen haben. Er war  in seinen jungen Jahren Schach-Profi. Und sagt:  Länder wie die USA , deutschland und andere habe die Gefahrengrenze durch ihre Verschuldung längst überschritten.

Der Film hat ja eine klare Haltung. Nämlich, die Ursachen für das finanzielle Tollhaus, das die Welt geworden ist, sind gar nicht so schwer zu verstehen, letztlich hat die Politik die Märkte entfesselt, jetzt müssen aber in manchen Bereichen wieder engere Spielregeln her. Glaubst Du, dass das so kommt oder steht die Welt nicht nur am Abgrund, sondern ist bald schon einen Schritt weiter? 

Wo ein Abgrund ist, kommt man auch drüber weg. Irgendwie, irgendwann.  Nur ist der Weg manchmal ziemlich drastisch. Wir glauben, dass Schuldenschnitte unvermeidlich sein werden, damit Staaten aus ihrer enormen Verschuldung rauskommen. Schuldenschnitte, die die Profiteure der ungeheuren Staatsverschuldung an der Lösung beteiligen.  
Das ist das eine: das andere sind die Regeln für die globale Finanzbranche. Solange die nicht da sind, balanciert die Welt tatsächlich am Abgrund.
www.Hypersmash.com

One Response to “die Welt auf Pump”

  1. Christoph sagt:

    BTW: Kenneth Rogoff war der andere “Held” meines VWL-Studiums :-) Aber das Krugman-Buch steht noch im Regal, das Rogoff-Skript ist abgeheftet…

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