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Aufgereihte Leichensäcke an einem hübschen italienischen Hafen. Hallen voller Särge, rote Rosen drauf. Dramagegenstücke, schaurig und auch ästhetisch, zum Aufregen ohne Konsequenzen ganz prima. Und prompt springen nun alle auf das Thema “Flüchtlinge” an: Medien, Politiker, Gutmenschen, Rechtsstaats-Grenzverteidiger. Der Wucht der Bilder und der Verlockung (und der Quote) des Schauers kann offenbar niemand widerstehen. Staatstragende Reden, Politiker mit tränenerstickter Stimme. Zynisch mag man sagen: bin gespannt, wie lange das Thema “hält”. Und dann kotzen gehen, ob der Fakten: In den vergangenen 25 Jahren sind fast 20tausend Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Wir haben meist die Augen bequem zugelassen, sie sind halt nicht medienwirksam genug ertrunken.

Und nun?
In meinen Seminaren versuche ich klarzumachen, dass wir Journalisten nie zynisch werden dürfen, nie abstumpfen. Manchmal fällt das aber eben verdammt schwer. Schwer, zu hoffen, dass vielleicht die eine oder andere Krokodilsträne doch zu einer echten wird und schwer zu hoffen, dass “wir” das Thema wirklich so lange beackern, bis sich substanziell was tut.
Oder wie der Tagesschau-Kollege in einem bemerkenswerten Beitrag sagte über irgendeine Tagung morgen, “aber niemand erwartet Entscheidungen, die uns solche Bilder in Zukunft ersparen werden”. Schade, also für uns…

 

 

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