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Es ist beinahe ein klassisch-griechischer Dreiakter, den die Landesregierung Baden-Württemberg gestern begonnen hat. Und er wird für die Regierung “tragisch” enden.

Erster Akt – Der Fehler, das Problem

Stefan Mappus und seine Landesregierung haben eines grob unterschätzt: die Macht und die Organisationskraft von “Social Media”. Da wollte man es strategisch doch “richtig” machen, hatte das Absperren des Parks extra in eine Zeit gelegt, von der man wusste, dass verhältnismäßig wenig Leute da sein werden. Konfrontation vermeiden, Fakten schaffen, dann können die anderen noch ne Weile vor dem Zaun demonstrieren und irgendwann läuft sich das dann tot.

Doch dann trugen Webcams live die Bilder in die Welt, rasend schnell kamen Tausende parkschützender Bürger. Stuttgart in Aufruhr, selbst beim Gemüsehändler. Und dann musste der Staat eben doch auf die zweite Option zurückgegreifen. Die Krisenvariante: das Durchsetzen mit Staatsgewalt.

Zweiter Akt – Die Zuspitzung

Und wieder eine Fehleinschätzung? Jedenfalls entstehen Bilder, die die Landesregierung nun wirklich fürchten muss.

Aus meiner Sicht waren drei Bilder, die gestern in Web, TV und Zeitung liefen, so “stark”, dass sie sich in das emotionale Gedächtnis der Schwaben einprägen werden. Das eine der bärtige, ältere Mann mit den malträtierten Augen, der von zwei Jugendlichen gestützt und weggeführt wird. Er sieht aus wie der Prototyp eines anständigen Bürgers, das Gegenstück zu Schwarzem Block. Und der wird “zusammengesprüht”? Und muss von sichtlich geschockten Jugendlichen gestützt werden?

Dazu die Schülerin, jung, adrett, engagiert. Man sieht ihr einfach an, dass sie aus “anständigem Hause”  kommt. Und man spürt, sie hat heute eine Lektion über Demonstrationsfreiheit und Staatsgewalt bekommen, die im Sozialkundeunterricht des Gymnasiums irgendwie wohl anders klang. Und die ihr niemand gönnte.

Und dann die Pfarrrerin, absolute Mitte der Gesellschaft. Die unter Tränen berichtet, wie sie -völlig friedlich- verletzt wurde.

Diese Bilder werden die Schwaben nicht vergessen. Zwar ist man hier durchaus auch obrigkeitszugewandt. Wenn was entschieden wurde, dann gehört sich auch, dass das nun gemacht wird, argumentieren viele. Aber noch stärker als diese Rechtsstaats-Orientierung ist ein anderer schwäbischer Charakterzug: der Protest gegen Ungerechtigkeit. Ganz in Schillerscher Tradition darf das Revolutionspotential der Schwaben nicht unterschätzt werden: Sind sie mal überzeugt, dann sind sie dickköpfig. Und wird dann geschlagen, reagieren sie mit Dickköpfigkeit und Wucht. So würde ich die nächsten Wochen zumindest prognostizieren. Sie werden stehen und pfeifen und schreien. Und wer nicht hingeht, der wird zumindest diese emotionalen Bilder nicht vergessen. Und das ist das neue Problem der Regierung. Sie hat Bilder geschaffen, die prägend sein werden.
Die Zukunft von Stuttgart 21 entscheidet sich meines Erachtens über Emotionen, nicht mehr über Fakten (die sind längst ausgetauscht und die Mehrheit der Bürger kann eben nicht nachvollziehen,wo der Nutzen von S21 sein soll). Die emotionale Wahrnehmung, die hat sich gestern endgültig geändert.

Dritte Akt – das Scheitern

Die Wahl in BaWü rückt immer näher. Und Kanzlerin Merkel hat Ministerpräsident Mappus einen Bärendienst erwiesen, indem sie meinte, dass eine Bürgerbefragung über S21 nicht nötig sei, da die Wahl ja eine Bürgerbefragung über dieses und andere Projekte sei. Der letzte Exit für Mappus war damit versperrt. Und dann wird sich mit der Wahl der dritte Akt vollenden, das Scheitern der “Helden” der Regierung.
Möglicherweise beginnt dann eine neue Tragödie: die der Grünen, die dann ein Projekt fertigbauen dürfen, das sie nie wollten. Eine neue Geschichte des Scheiterns. Fortsetzung folgt also.

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Comments

  1. rauskucker says:

    So etwa hab ich mir das auch gedacht. Nur das im letzten Absatz kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Die Grünen sind inzwischen eine konservative Partei, aber so völlig verkommen sind sie (außer in Hamburg) noch nicht.

    Übrigens ist dein Blog gut geschrieben, aber unlesbar. Mach doch mal den blöden Balken da oben weg, der den halben Bildschirm belegt.
    Auch das Schreiben von Kommentaren ist schwierig, wenn man die Eingabefelder nicht sehen kann. Nur so als Anregung.

  2. Christoph says:

    Die GRÜNEN haben schon ein wenig zurückgerudert und verdeutlicht, dass es selbst bei eigenem Wahlsieg nicht sicher sei, ob man S21 dann noch zurücknehmen könnte…

    Was Deine Anregungen für mein Blog angeht: DANKE. Kümmere mich asap drum… LG