Seminare

Journalistisches Informieren mit bewegten Bildern funktioniert anders als in der Zeitung. Drei Thesen:

  • Erstens: Informationen vermitteln sich im Fernsehen nur über das “Geschichten erzählen”.
    Filme ohne Geschichte versinken im Nirwana des Bildermülls, bleiben kaum in unserem Gedächtnis, die Information ist schon nach Minuten wieder vergessen. Das liegt u.a. an der Funktionsweise unserer Gehirne und ist eines der großen Probleme, die bspw. Nachrichtensendungen haben. Sie erzählen oftmals keine Geschichten, und deswegen rauschen sie an uns vorbei. Zuschauer müssen zwingend Emotionen erleben dürfen, sonst bleibt die Information, die wir als Journalisten aufgrund der Recherche vermitteln wollen, nicht beim Zuschauer hängen. Emotion heisst im übrigen nicht, dass jemand heult. Im Gegenteil.
  • Zweitens: Gutes Erzählen ist erlernbar, und zwar mit ein paar Baukasten-Elementen.
    Baukasten – das klingt zwar zunächst nach dem Killer der Kreativität, nach Gleichförmigkeit. Malen nach Zahlen, Arbeiten nach Baukasten, das kann doch niemals gutes Fernsehen geben. Das Faszinierende aber: wer mit den Steinchen aus dem Baukasten spielen kann, gewinnt im Stress auf dem Dreh und im Schnitt erst wirklich die Freiheit, richtig gut zu erzählen. Und damit spannend und journalistisch zu informieren. Völlig abseits ausgetretener Pfade. Aber in jahrtausendealter Tradition. Und so, wie es unser Gehirn eben aufnehmen kann. Auch wenns komisch klingt, das geht zusammen, Baukasten und Kreativität.
  • Drittens: Rythmus ist wichtig. Auch er bestimmt die Wahrnehmung.
    Klopfen SIe zweimal auf den Tisch vor Ihnen. Irgendwie fehlt da was. Jetzt klopfen Sie dreimal. Es wirkt abgeschlossen. Genauso ist es mit bewegten Bildern. Ob man also in einer Sequenz zwei oder drei Bilder schneidet, macht in der Wahrnehmung einen Unterschied. Der Zuschauer wird das zwar nie bewusst bemerken, aber im Unterbewusstsein kommen solche Informationen immer an. Auch die Anzahl der Bilder, die man in einer Sequenz schneidet, entscheidet also über die Wahrnehmung dieser Sequenz. Gleiches giltbspw. für Achsen in der Bildgestaltung. So kommt üblicherweise der Held im Western von links, der Böse von rechts. Das hat Gründe, tief in unserem Hirn verwurzelte, gegen die sich kein Zuschauer wehren kann. Die Fernsehmacher aber kennen sollten.

Wer über solche Zusammenhänge nachdenkt, kann mit den entsprehenden Schlussfolgerungen auch lernen, Geschichten mit der Kamera zu erzählen. Erfolge hat man schon nach wenigen Tagen. Wie es gehen kann, das schule ich – auch in Zusammenarbeit mit anderen Fernsehjournalisten – sehr gerne in Seminaren zur Fernsehdramaturgie und zum Videojournalismus. Themen dabei u.a. Grundlagen der Wahrnehmung, Aufbau einer Filmstory, Filmanfänge, Filmenden, Schnittdramaturgie, Funktion und Rolle von O-Tönen, Geräuschen und Musik, Handlungs- und Kameraachsen, Verhalten am Drehort, Texten zum Film, Interviewfragen usw.

Lust, Fernsehen zu lernen? Kontakt.

Disclaimer: der einzige Nachteil – sie gucken danach auch anders auf bewegte Bilder, ega ob im Internet ode rin der Glotze