Fünf Fragen an…Tilman Achtnich

vom 10. Mai 2011 ::: Beitrag von Christoph ::: 2 Kommentare

 

Das Steinzeitrezept:  Doku-Filmtipp

 Tilman Achtnich ist einer der führenden Feature-Autoren der ARD, macht seit vielen Jahren als Autor und als Redakteur (oft preigekrönte) lange Dokumentationen für den SWR und die ARD. Wenn er nicht irgendwo auf der Welt am Drehen ist, dann sitzt er in seinem Büro, 5 Meter von meinem weg. Spätestens um halb eins treffen wir uns dann, schließlich braucht der Mensch Rituale, also gehen wir in die Kantine. Heute 5 Fragen an Tilman Achtnich, fünf Fragen beim und übers Essen.

1. Tilman, in der Kantine bist Du dafür bekannt, ganz wilde Kombinationen aus allen Hauptgerichten zusammenzustellen, mal nur Beilagen, mal nur Fleisch und irgendein grünes Blättchen. Nach mehreren Gesprächen über deine Recherchen zum “Steinzeitrezept – wie wir unsere Zivilisationskrankheiten besiegen” lass ich als Konsequenz jetzt mittags zumindest die Nudeln weg. Kannst Du mir nun sozusagen öffentlich-rechtlich zuverlässig garantieren, dass ich schlank und rank werde und vor allem total gesund bleibe?

 Wenn du neben den Nudeln noch das Brot weglässt, Milch, Joghurt und Käse  weglässt, Mars und Müsliriegel und anderes Industriefood meidest, bist du auf einem guten Weg. Die 20, 30 Kilometer  Laufen am Tag solltest du halt noch irgendwann unterbringen.  Im Ernst, unsere Vorfahren haben wahrscheinlich ziemlich gefressen, aber ihre Bewegung und ihre Nahrung standen quasi im Gleichgewicht. Die mussten halt alles jagen und sammeln. Die waren hinter der Nahrung her, heute verfolgt uns das Essen auf Schritt und Tritt.  Eigentlich  sollte unser Kühlschrank  in 20 Kilometern Entfernung stehen, dann wäre nicht einmal Feierabendbier plus Erdnüsse ein Problem. 

 2. Warum propagieren Leute ein Leben, eine Ernährung “wie zu Steinzeits-Zeiten”?

 Die Evolution hat uns Menschen Millionen Jahre optimiert, angepasst an natürliche Lebensbedingungen, wie sie bis zum Ende der Steinzeit waren. Unser Verdauungssystem , unser Immunsystem, unsere Sinne, alles bestens für ein Leben in der Natur. Stundenlanges Sitzen auf Bürosesseln, Laufen in zu engen Schuhen auf hartem Asphalt, prallvolle Supermarktregale und Essen, das wir kaum noch kauen müssen….das war alles nicht vorgesehen. Unsere moderne Zivilisation ist grade ein paar Hundert Jahre alt, wenns hoch kommt, viel zu kurz, als dass die Evolution uns schon hätte anpassen können.
Also – können wir uns nur Gedanken machen, für was für ein Leben wir eigentlich gemacht sind. Das im Kopf zu haben ist nicht schlecht.
Genauso machen es die Evolutionsmediziner – die denken drüber nach, dass alle unsere Zivilisationsgebrechen ihre Wurzeln darin haben, dass wir eigentlich für ein ganz anderes Leben gemacht sind.     

 
3. Einer der Kronzeugen dieser Lebensform, wenn ich das richtig verstanden habe, ist ein amerikanischer Professor, der seinen Pick-Up mit der Hand zieht und manchmal durch die Wüste wandert. Klingt so, als wäre das ein Typ (und ein Film), an dem man sich reiben kann und muß. Wie ist Deine Haltung als Autor dazu?

 Art den Vany hat sich sein Leben lang mit evolutionary fitness beschäftigt, weiss wirklich gut Bescheid, kennt die einschlägige Literatur. Aber den Amerikanern gelingts auch immer wieder, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Schon schräg, wenn Art durch die Wüste rennt, und Kampf – oder Fluchtverhalten unsere Vorfahren simuliert. Ich musste lachen, er hats ernst genommen und auf seine hervorragenden medizinischen Werte verwiesen. Wie ein Dreissigjähriger, obwohl er 73 ist. So sind sie halt, die Amis.  

4. Wie lange hast Du recherchiert, gedreht, geschnitten?

Die Idee lange mit mir rungetragen, ein paar Monate recherchiert, 3 Wochen gedreht in Deutschland, den USA, in Schweden bei einem Ernährungsforscher. Drei Wochen geschnitten.
Und  seither in Diskussionen mit den Kollegen verstrickt, die sich durch ein paar verblüffende Aussagen provoziert fühlen. Wie z.B. „ der Glaube vieler Vegetarier, dass fleischlos, die eigentlich Ernährungsweise sei, ist der größte Irrglaube“, sowas weckt starken Protest.

 5. Morgen gibts bei uns in der Kantine entweder “chilli senza carne”, also ohne Fleisch, dafür mit roten Paprika, Tomaten und roten Bohnen oder als Alternative Hirschgulasch mit Spätzle und Kaisergemüse. Bitte sag nicht, dass ich die Bohnen essen muss!

 Iss das Hirschgulasch mit Kaisergemüse,  mach dir noch einen Salatteller, auch mit Kartoffelsalat dazu.
Und schau den Film an, dann musst du in Zukunft solche Fragen nicht mehr stellen.
Und hier die Daten:  Das Steinzeitrezept -wie wir unsere Zivilisationskrankheiten besiegen 
Mi 11.5.2011 um 23 Uhr 30 im ERSTEN

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ein Staatspräsident wird zum Diktator

vom 2. Februar 2011 ::: Beitrag von Christoph ::: Keine Kommentare

Wie mich diese Trittbrett-Fahrerei nervt. Also nicht dass wir uns falsch verstehen, ich finde es prima, wenn es denn journalistisch gerechtfertigt ist, einen Diktator gefälligst auch Diktator zu nennen. Ich kenn mich in Ägypten nicht gut genug aus, aber wenn Herr Muburak ein solcher ist, dann soll er auch so heißen. Seltsam nur, das er bis vor wenigen Wochen in eigentlich allen Medien noch “der ägyptische Staatspräsident” war. Und nun ist er bei vielen mal locker zum “Diktator” geworden. Anscheinend hat man jahrelang schlecht recherchiert und formuliert und übernimmt jetzt mal locker die gerade angesagte Formulierung. Trittbrett-Fahrerei hat aber im Journalismus nichts zu suchen.

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unterwegs mit Steffi Tücking

vom 5. Oktober 2010 ::: Beitrag von Christoph ::: Keine Kommentare

Zweimal im Jahr gehen wir zusammen drehen, Steffi vor der Kamera, ich dahinter. Manchmal allerdings dreht sie den Spieß rum und dann fahr eben ich mit einem Auto. In die Weser.

Outtake Weser

“Steffis Hausbesuche” läuft in startklar- das automagazin im SWR, an allen vier Sonntagen im Oktober. Wir besuchen Menschen, die beruflich nichts mit Autos zu tun haben, die aber wilde Autogeschichten erlebt haben. Und die Welt der überzeugten Sammler ist ziemlich wild.

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die Pracht der Bilder

vom 1. Oktober 2010 ::: Beitrag von Christoph ::: 3 Kommentare

Es ist beinahe ein klassisch-griechischer Dreiakter, den die Landesregierung Baden-Württemberg gestern begonnen hat. Und er wird für die Regierung “tragisch” enden.

Erster Akt – Der Fehler, das Problem

Stefan Mappus und seine Landesregierung haben eines grob unterschätzt: die Macht und die Organisationskraft von “Social Media”. Da wollte man es strategisch doch “richtig” machen, hatte das Absperren des Parks extra in eine Zeit gelegt, von der man wusste, dass verhältnismäßig wenig Leute da sein werden. Konfrontation vermeiden, Fakten schaffen, dann können die anderen noch ne Weile vor dem Zaun demonstrieren und irgendwann läuft sich das dann tot.

Doch dann trugen Webcams live die Bilder in die Welt, rasend schnell kamen Tausende parkschützender Bürger. Stuttgart in Aufruhr, selbst beim Gemüsehändler. Und dann musste der Staat eben doch auf die zweite Option zurückgegreifen. Die Krisenvariante: das Durchsetzen mit Staatsgewalt.

Zweiter Akt – Die Zuspitzung

Und wieder eine Fehleinschätzung? Jedenfalls entstehen Bilder, die die Landesregierung nun wirklich fürchten muss.

Aus meiner Sicht waren drei Bilder, die gestern in Web, TV und Zeitung liefen, so “stark”, dass sie sich in das emotionale Gedächtnis der Schwaben einprägen werden. Das eine der bärtige, ältere Mann mit den malträtierten Augen, der von zwei Jugendlichen gestützt und weggeführt wird. Er sieht aus wie der Prototyp eines anständigen Bürgers, das Gegenstück zu Schwarzem Block. Und der wird “zusammengesprüht”? Und muss von sichtlich geschockten Jugendlichen gestützt werden?

Dazu die Schülerin, jung, adrett, engagiert. Man sieht ihr einfach an, dass sie aus “anständigem Hause”  kommt. Und man spürt, sie hat heute eine Lektion über Demonstrationsfreiheit und Staatsgewalt bekommen, die im Sozialkundeunterricht des Gymnasiums irgendwie wohl anders klang. Und die ihr niemand gönnte.

Und dann die Pfarrrerin, absolute Mitte der Gesellschaft. Die unter Tränen berichtet, wie sie -völlig friedlich- verletzt wurde.

Diese Bilder werden die Schwaben nicht vergessen. Zwar ist man hier durchaus auch obrigkeitszugewandt. Wenn was entschieden wurde, dann gehört sich auch, dass das nun gemacht wird, argumentieren viele. Aber noch stärker als diese Rechtsstaats-Orientierung ist ein anderer schwäbischer Charakterzug: der Protest gegen Ungerechtigkeit. Ganz in Schillerscher Tradition darf das Revolutionspotential der Schwaben nicht unterschätzt werden: Sind sie mal überzeugt, dann sind sie dickköpfig. Und wird dann geschlagen, reagieren sie mit Dickköpfigkeit und Wucht. So würde ich die nächsten Wochen zumindest prognostizieren. Sie werden stehen und pfeifen und schreien. Und wer nicht hingeht, der wird zumindest diese emotionalen Bilder nicht vergessen. Und das ist das neue Problem der Regierung. Sie hat Bilder geschaffen, die prägend sein werden.
Die Zukunft von Stuttgart 21 entscheidet sich meines Erachtens über Emotionen, nicht mehr über Fakten (die sind längst ausgetauscht und die Mehrheit der Bürger kann eben nicht nachvollziehen,wo der Nutzen von S21 sein soll). Die emotionale Wahrnehmung, die hat sich gestern endgültig geändert.

Dritte Akt – das Scheitern

Die Wahl in BaWü rückt immer näher. Und Kanzlerin Merkel hat Ministerpräsident Mappus einen Bärendienst erwiesen, indem sie meinte, dass eine Bürgerbefragung über S21 nicht nötig sei, da die Wahl ja eine Bürgerbefragung über dieses und andere Projekte sei. Der letzte Exit für Mappus war damit versperrt. Und dann wird sich mit der Wahl der dritte Akt vollenden, das Scheitern der “Helden” der Regierung.
Möglicherweise beginnt dann eine neue Tragödie: die der Grünen, die dann ein Projekt fertigbauen dürfen, das sie nie wollten. Eine neue Geschichte des Scheiterns. Fortsetzung folgt also.

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nur noch schnell den Schreibtisch abarbeiten

vom 15. September 2010 ::: Beitrag von Christoph ::: 2 Kommentare

Dann ab zum Dreh. Love my life PICT0970dann

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